Ausflug nach Berlin

Nachdem ich in den letzten beiden Jahren jeweils ICAO-Karten für die Berliner-Region gekauft hatte,es dann aber doch nicht nach Berlin geschafft hatte, sollte es dieses Jahr nun endlich in die Hauptstadt gehen.Dieses Jahr motivierte uns zusätzlich der Umstand, dass eine gute Freundin meiner Frau Larissa nach Berlin gezogen war. Somit konnten wir unseren Ausflug mit einem Besuch unserer Freundin verbinden.

Das Wetter für beide Tage war sehr gut vorausgesagt. Lediglich ein paar mittelhohe Wolken über Niedersachsen sollten uns bei der Wahl der Reiseflughöhe einschränken.

Bei der Wahl des Fluggeräts fiel unsere Entscheidung auf die vereinseigene DR400 Regent. Diese Maschine ist mit 180 PS ausreichend motorisiert und verfügt über extra Flügeltanks. Damit ist rein theoretisch ein Hin- und Rückflug von Aachen/EDKA nach Berlin (Strausberg/EDAY) mit einer Tankfüllung möglich. Da wir nur zu zweit reisten, bot die Maschine mit ihren vier Sitzplätzen ausreichend Platz für unser Gepäck. Auch vollgetankt (240 Liter) hat man damit in Aachen (520 Meter Asphalt-Piste) genügend Reserven beim Start.

AUF DEM WEG NACH BERLIN
Nachdem wir unsere beiden Reisetaschen für den kurzen Ausflug auf den Rücksitzen verstaut hatten, hoben wir in Aachen auf der Piste 08 in Richtung Osten ab und waren damit schon fast auf unserem Zielkurs in Richtung Berlin. Tatsächlich flogen wir unsere einzigen drei Kurven auf der gesamten Strecke in der Platzrunde von Strausberg. Den Rest der Strecke ging es fast ohne Kurskorrekturen gen Osten.

Reiseflug über NRW
Reiseflug über NRW
Aufgrund der Höhenwindvorhersage bot sich eine große Reiseflughöhe an. Allerdings sorgte eine Cirrenschicht in FL70 dafür, dass der Steigflug frühzeitig beendet werden musste. In FL55 setzten wir unseren Reiseflug auf Kurs Nord-Nord-Ost in Richtung Berlin fort. Im weiteren Verlauf des Fluges genossen wir die guten Sichten und die ruhige Luft. Während der ganzen Zeit stand uns der Fluginformationsdienst (FIS) mit Verkehrsinformationen zur Seite.

Etwa 40 Meilen vor der Kontrollzone Berlin tauchten Wolkenfetzen unter uns auf. Desto weiter wir uns Berlin näherten, desto dichter wurden die Wolken. Da wir nicht durch den Luftraum Charlie von Berlin fliegen wollten, fassten wir den Entschluss, rechtzeitig unter die Wolkendecke zu sinken. Tatsächlich unterschätzten wir die Breite der Wolkendecke, sodass wir nach dem Sinkflug in einer Höhe von knapp 2.500 Fuß MSL auskamen. Wären wir on top geblieben, müssten wir vermutlich vor dem Luftraumgerüst in Berlin umkehren, da wir dort nicht durch die geschlossene Wolkendecke hätten sinken dürfen.

Dichter werdende Wolkendecke vor Berlin
Dichter werdende Wolkendecke vor Berlin
Nachdem wir nun wieder dem Erdboden näher gekommen waren, wechselten wir auf die Turmfrequenz von Berlin-Schönefeld, um einen Durchflug durch die Kontrollzone zu beantragen. Über unsere Anfrage wurde positiv bestimmt und so genossen wir eine zauberhafte Aussicht auf die Stadt Berlin, während wir der veröffentlichten VFR-Route (W1->W2->B->E2->E1) durch die Kontrollzone folgten.

SIGHTSEEING IN DER KONTROLLZONE ÜBER BERLIN
Die Route folgt zunächst vom Pflichtmeldepunkt WHISKEY 1 dem Teltow-Kanal bis zum Pflichtmeldepunkt WHISKEY 2. Anschließend geht es auf Kurs 074° weiter in Richtung Pflichtmeldepunkt BRAVO. Danach biegt die Route nach links ab und führt für eine kurze Zeit nach Nord-Nord-Osten bevor sie am Pflichtmeldepunkt ECHO 2 wieder nach Osten abknickt. Von da an folgt man der Eisenbahntrasse bis man den Pflichtmeldepunkt ECHO 1 erreicht hat.

Blick auf Berlin
Blick auf Berlin
Das Routing sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist es aber nicht. Die Landmarken sind aus der Luft deutlich zu erkennen. Der Turm erwartet die ordnungsgemäße Meldung aller Pflichtmeldepunkte.

Blick auf den ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof
Blick auf den ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof
Nachdem wir die Kontrollzone von Berlin verlassen hatten, wechselten wir zügig auf die Info-Frequenz von Strausberg. Wir meldeten uns fünf Minuten entfernt vom Platz und erhielten die Landeinformationen. An diesem sommerlichen Tag war wie erwartet viel los am Platz. Wir reihten uns zwischen einen Motorsegler und ein anderes Motorflugzeug in die Platzrunde ein und landeten nach knapp zweieinhalb Stunden sicher auf der Piste 05 in Strausberg.

DER FLUGPLATZ STRAUSBERG BEI BERLIN
Der Flugplatz Strausberg ist einfach anzufliegen und liegt direkt am Ortsrand von Strausberg. Mit dem Shuttleservice des Flugplatzes ist man in weniger als drei Minuten am S-Bahnhof Strausberg-Nord. Mit der S-Bahn kommt man von dort in knapp 45 Minuten ins Zentrum von Berlin. Alternativ stehen am Flugplatz meistens Car Sharing Autos des Anbieters app2drive zur Verfügung.

Wir wurden in Strausberg bereits von unseren Freunden erwartet, die uns mit ihrem Auto nach Berlin mitnahmen. Da es noch relativ früh am Tage war und die Sonne das Thermometer bereits über die 30 Grad-Grenze getrieben hatte, entschieden wir uns spontan gegen eine Tour in die Stadt und verbrachten stattdessen den restlichen Tag am Kleinen Müggelsee am Strand.

Am zweiten Tag erwartete uns wieder sonniges Badewetter. Kurzentschlossen mieteten wir uns ein kleines Motorboot, mit dem wir die Müggelspree entlang zum Großen Müggelsee fuhren. Nachdem wir fast fünf Stunden auf dem und im Wasser verbracht hatten, war es Zeit den Rückweg zum Flugplatz anzutreten.

DER RÜCKFLUG NACH AACHEN
Vor dem Rückflug checkte ich den Flieger und kontrollierte den Kraftstoffvorrat. Obwohl rein rechnerisch gerade noch genug Kraftstoff für den Rückflug verfügbar wäre, entschieden wir uns dennoch ein paar Extra-Liter Avgas nachzutanken. Dadurch verschafften wir uns zusätzliche Reserven und hätten auch bei stärkerem Gegenwind nicht zwischenlanden müssen.

Wir verabschiedeten uns von unseren Freunden und starteten anschließend gegen 16.30 Uhr auf der Piste 23 in Richtung Aachen. Wieder entschieden wir uns für den Durchflug durch die Kontrollzone von Berlin. Hierbei konnten wir noch ein paar tolle Blicke auf unsere Hauptstadt werfen, auch wenn wir sie bei diesem Besuch nur am Rande erlebt haben.

Ehemaliger Flughafen Berlin-Tempelhof
Ehemaliger Flughafen Berlin-Tempelhof
Das Wetter für den Rückflug war wieder gut vorhergesagt. Die Windprognose riet uns eine hohe Reiseflughöhe auszuwählen. Ohne irgendwelche Einschränkungen durch Wolken ging es in FL85 zurück nach Aachen. Wir genossen das Airliner-Feeling in der ruhigen Luft und den nahenden Sonnenuntergang am Horizont. Nach knapp 2.40 Uhr waren wir wieder zurück in Aachen, wo wir auf der Piste 08 sicher landeten.

Auf dem Rückflug über dem Rhein zwischen Düsseldorf und Köln
Auf dem Rückflug über dem Rhein zwischen Düsseldorf und Köln
Es war sicher nicht unser letzter Ausflug nach Berlin. Die Flugplätze Schönhagen oder Strausberg bieten eine gute Ausgangslage für einen erneuten Hauptstadtbesuch.

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