Winterpause? Fliegen? Jetzt erst recht!

Viele Privatpiloten legen in den Wintermonaten eine mehrmonatige Pause mit der Fliegerei ein. Dabei bietet gerade die Winterzeit viele Möglichkeiten, seinen fliegerischen Horizont zu erweitern und den Übungsstand aufrecht zu erhalten. In diesem Artikel zeige ich die verschiedenen Möglichkeiten auf, auch im Winter nicht auf den Luftsport verzichten zu müssen und gehe dabei auch auf die Risiken und Besonderheiten für den Flugbetrieb in der kalten Jahreszeit ein.

Als Segelflieger bin ich es gewohnt spätestens im November eines jeden Jahres eine mehrmonatige Fliegerpause einzulegen. Das obligatorische Einhallen, Abfliegen oder die Umstellung auf die Winterarbeit, markieren Vielerorts hierzulande den Zeitpunkt, ab dem die Segelflieger für viele Monate in der Vereinswerkstatt verschwinden.

Flugzeuge müssen vor dem Start komplett vom Schnee befreit werden, da dieser sonst die Flugeigenschaften negativ beeinflussen kann. Cessna 150G C-GASU (Foto: James Abbott)
Als ich vor ein paar Jahren mit dem Ultraleichtflug begann und später noch die Motorfluglizenz dazu kam, eröffneten sich mir neue Möglichkeiten auch im Winter zu fliegen. Das ich dabei ganz neue Eindrücke im Vergleich zu den wärmeren Monaten gewinnen würde, hatte ich vorher nicht erahnt.

Doch was macht die Fliegerei in den Wintermonaten so reizvoll? Da wären zum Einen ganz andere Wetterphänomene als in den warmen Monaten. Der Schnee färbt die Landschaft in eine zauberhafte Farbe und gibt dem Piloten eine ganz neue Sicht auf die heimische Gegend. Während der Pilot bei schneefreiem Boden die Heimatregion wie die eigene Westentasche kennt, kommt es ihm bei schneebedecktem Boden vor, als ob er in einer ganz anderen Region unterwegs sein würde.

Zum Anderen haben wir in Deutschland in den Wintermonaten zumeist eine recht trockene und damit ruhige Luft. Ideal also, um mit Freunden einen Ausflug zu wagen, welche die turbulente Luft nicht vertragen. Außerdem sind in den Wintermonaten weniger Luftfahrzeuge im unteren Luftraum unterwegs. Das sorgt für entspanntes Fliegen bei dem man die Szenerie noch besser genießen kann.

Dabei muss die Start- und Landebahn nach einem Schneefall nicht zwingend geräumt werden. In den vergangenen Jahren haben wir regelmäßig auch bei schneebedeckter Graspiste den Flieger aus dem Hangar geholt und sind geflogen. Hierbei hat es als nützlich erwiesen, auf die Radschuhe zu verzichten. Denn in diesen kann sich beim Rollen und Start Schnee festsetzen und gefrieren, was bei Start und Landung zu blockierenden Rädern führen kann.

Die Flugbetriebsflächen müssen nicht zwingend vom Schnee befreit werden. Ein sicherer Betrieb ist möglich, wenn bestimmte Dinge beachtet werden. Langley Regional Airport/CYNJ in Kanada (Foto: James Abbott)
Außerdem muss man bei der Vorflugkontrolle penibel darauf achten, dass jegliche Feuchtigkeit und Schnee auf den Oberflächen des Flugzeuges entfernt werden. Diese können sonst in der Luft gefrieren und die Flugeigenschaften negativ beeinflussen. Auch Feuchtigkeit zwischen den beweglichen Teilen, wie den Rudern, muss vollständig entfernt werden, um ein Blockieren der Ruder durch Festfrieren zu vermeiden.

Vor dem Flug sollte die Fläche gründlich von Schnee und Eis befreit werden (Foto: Marius Kay)
Grundsätzlich ist in Bezug auf das Wetter im Winter mehr Sorgfalt erforderlich. Sowohl Flüge bei Vereisungsbedingungen als auch bei Schneefall sollten vermieden werden. Schnee aber auch Regen kann bei kalter Luft auf der Windschutzscheibe gefrieren und dem Piloten die Sicht vollständig nehmen. Wenn man dennoch in einen Regen- oder Schneeschauer geraten sollte, kann die Scheibenheizung, sofern vorhanden, eine große Hilfe sein. Aus diesem Grund sollte sich der Pilot vor dem Flug mit den Kapiteln im Flughandbuch vertraut machen, die den Betrieb des Flugzeuges bei kaltem Wetter beschreiben.

Im Flughandbuch wird meistens auch beschrieben, wie das Triebwerk bei kaltem Wetter am besten zu starten ist. Wenn immer möglich, sollte eine Vorwärmung des Triebwerks in Betracht gezogen werden. Hierzu gibt es sowohl Flugzeughersteller-seitig Lösungen, als auch Lösungen von Drittanbietern.

Auszug aus dem Flughandbuch einer Cessna 172L: Betrieb bei kaltem Wetter
In allen Fällen sollte man das Triebwerk nach dem Anlassen ausreichend warmlaufen lassen. Mit kaltem Triebwerk steht die erforderliche Startleistung nicht zur Verfügung. Außerdem kann das Triebwerk Schaden nehmen, wenn es im kalten Zustand zu früh belastet wird.

Ansonsten muss beim Start auf schneebedeckter Piste damit gerechnet werden, dass sich die Startstrecke erheblich verlängert. Das trifft insbesondere dann zu, wenn der Schnee noch relativ frisch ist oder bereits dabei ist zu schmelzen. Auch die Schneehöhe kann sich negativ auf die Startstreckenlänge auswirken. Bei der Landung ist wiederum darauf zu achten, dass das Flugzeug nicht zu hoch oder zu tief abgefangen wird. Bei schneebedecktem Boden fehlt häufig die visuelle Höhenreferenz, an der sich der Pilot orientiert, um den Flieger im richtigen Moment abzufangen. Außerdem ist darauf zu achten, dass das Flugzeug beim Bremsen nach der Landung auf vereistem oder verschneitem Untergrund nicht ausbricht. Hier gilt es die Bremsen besonders vorsichtig zu dosieren.

Wenn man all diese Punkte berücksichtigt, dann kann man seinem Hobby auch im Winter nachgehen und den Übungsstand aufrechterhalten. Belohnt wird man mit zusätzlichen Eindrücken, die es nur im Winter gibt.

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